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fruchttiger
Anmeldungsdatum: 20. März 2012
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Hallo Ubuntu Gemeinde, ich muss gestehen, dass es Jahre her ist, dass ich Ubuntu wirklich produktiv genutzt habe, aber von damals ist mir noch dieses Forum in Erinnerung geblieben und ich dachte vielleicht lässt sich dieses Thema hier diskutieren. Ich möchte in meiner Abschlussarbeit ein kleine PRO - Contra Abwägung machen ob Open Source und damit kollaborative Entwicklung zu Innovation anregt oder das Innvationskraft gering ist. In einem Buch wo die Frage angeprochen wird , steht nur : JA, Open Source ist Innovationsmotor und hat große Verdienste beim technlogischen Fortschritt in der Informatik vorzuweisen und begründet wird das nur kurz mit der Selbstorganisation der Entwicklergemeinde. Hmmm ! Diese Punkte habe ich bisher gefunden oder scheinen, zumindest mir mal, plausibel : Contra Innovation :
(historisch) Open Source baut vor allem proprietäre Software nach. Open Source ist ein Spielplatz den junge Entwickler (Schüler,Studenten,Junior-Developer) betreten um vor allem zu lernen und später auch wieder verlassen um gut bezahlte Stellungen bei großen Technologiefirmen anzunehmen. (vgl. 4.2 http://www.flossproject.org/report/Final4.htm)
Pro Innovation:
Verantwortung für Nachhaltigkeit im Code liegt auf vielen Schultern : Innovation können schneller einfließen ohne die Bürde alleine für Nachhaltigkeit sorgen zu müssen Einsparungen durch lizenzkostenfreie Software können in die Entwicklung von Innovationen fließen. Open Source macht Budget frei Geschaffene Innovation in OS-Projekten stehen allen zur Verfügung, basierend auf diesen Neuentwicklungen kann weiterentwickelt werden (sprich: das Rad muss nicht neu erfunden werden)
Mir ist noch nicht klar was überwiegt und richtig stichhaltig ist.Selbst hab ich leider keiner Erfahrung in Open-Source-Projekten gesammelt und bin auch nicht so religös motiviert zu sagen Open Source ist der heilige Gral der Innovation. Habt ihr Anregungen was diese Fragestellung angeht ? Wenn ihr passende Literatur kennt wo ich mir ein Bild machen könnt würde ich mich über Hinweise auch sehr freuen. Bearbeitet von V for Vortex: Listen sind hier sinnvoller als Codeblöcke, weil sie korrekte Zeilenumbrüche und Einrückungen erzeugen.
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kaputtnik
Anmeldungsdatum: 31. Dezember 2007
Beiträge: 9245
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fruchttiger schrieb: Ich möchte in meiner Abschlussarbeit ein kleine PRO - Contra Abwägung machen ob Open Source und damit kollaborative Entwicklung zu Innovation anregt oder das Innvationskraft gering ist.
Hm, interessantes Thema.
In einem Buch wo die Frage angeprochen wird , steht nur : JA, Open Source ist Innovationsmotor und hat große Verdienste beim technlogischen Fortschritt in der Informatik vorzuweisen und begründet wird das nur kurz mit der Selbstorganisation der Entwicklergemeinde. Hmmm !
Ja: "Hmmm!"... kommt halt auch auf die Definition von Innovation an.
Contra Innovation :
Das ist ein Henne/Ei Problem. Oder zumindest ein Problem der öffentlichkeitswirksamen Vermarktung. Es gibt sicherlich einige OpenSource Ideen, die erst durch andere, populäre Betriebssysteme und deren Programme, Einzug in die öffentliche Wahrnehmung gefunden haben. Ob es ursprünglich die Idee eines OpenSource-Entwicklers war, spielt dann keine Rolle mehr.
Open Source ist ein Spielplatz den junge Entwickler (Schüler,Studenten,Junior-Developer) betreten um vor allem zu lernen und später auch wieder verlassen um gut bezahlte Stellungen bei großen Technologiefirmen anzunehmen. (vgl. 4.2 http://www.flossproject.org/report/Final4.htm)
Das ist sicherlich so. Ob Schüler oder Studenten dabei jedoch innovative Ideen hervorbringen ist fraglich. Ihnen geht es ja in erster Linie darum, etwas zu lernen. Die Menge an Innovationsbringern ist dabei sicherlich in der Minderheit. Contra Innovation:
Pro Innovation:
Könntest Du das etwas näher erläutern? "Nachhaltigkeit" im Sinne von "Ein Projekt weiter führen"?
Das sehe ich als ein philosophisches Argument. Es macht keinen Sinn, OpenSource-Software monetär zu bemessen. Problem ist hier, das Innovation (hier als technischer Fortschritt gemeint) sehr schnell von statten geht. Gerade im Computerbereich. Ob einzelne "freie" Programmierer, die das alles meist in Ihrer Freizeit neben dem Job machen, schneller auf ein neues Pferd aufspringen können, als gesponserte (bezahlte) hauptberufliche Programmierer, sei einmal in die Runde gefragt.
...bin auch nicht so religös motiviert zu sagen Open Source ist der heilige Gral der Innovation.
OpenSource ist schon eine Glaubenssache. Oder sagen wir: Eine Einstellungssache. Entweder man glaubt an die Kraft der vielen, oder eben nicht.
Bearbeitet von V for Vortex: Listen sind hier sinnvoller als Codeblöcke, weil sie korrekte Zeilenumbrüche und Einrückungen erzeugen.
Ein innovations- 👍 😉
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fruchttiger
(Themenstarter)
Anmeldungsdatum: 20. März 2012
Beiträge: 3
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@Vortex : Danke für die Liste ☺ @Kaputtnik : Genau, Nachhaltigkeit soll bedeuten, dass der der Code wartbar und verständlich bleibt um die Software weiterentwickeln zu können. So wie ich das verstehe, beinhaltet das einen sauberen Programmierstil , Nachvollziehbarkeit bzw. Dokumentation. Das Argument stammt von einem Gremiumsmitglied der Open Source Initiative http://blogs.computerworlduk.com/simon-says/2011/11/open-source-nurtures-innovation/index.htm. Er sagt, bei proprietärer Entwicklung trägt der Urheber der Innovation die 100%-ige Verantwortung für seinen Code und ist damit auch (beruflich) daran gebunden, während in der OPen-Source Gemeinde sich viele um das Kind kümmern können und der Ideenentwickler wieder etwas neuartiges versuchen kann. Das monetäre Argument, will sagen, dass durch die Lizenzkostenfreiheit ein, auch kommerziell-orientierter, Entwickler die Möglichkeit hat auf der Software aufzubauen
z.B kann er sich eine LAMP-Server umsonst aufbauen und darauf neue Web-Anwendungen entwickeln ohne Einstiegshürden.
Das gleiche gilt für Softwarentwicklungsfirmen die durch Kosteneinsparungen mehr Geld in wirklich neue Programmentwicklung investieren können, statt es für Lizenzen auszugeben. Das entspricht der in der Wissenschaft häufig genutzten Formulierung : wir stehen auf den Schultern von Riesen. Was die durchschnittlich jüngere Entwicklergemeinschaft angeht, bin ich etwas zwiegespalten ob das für oder gegen Innovationskraft spricht. Man sagt die fluide Intelligenz, die am besten geeignet ist für neue Ideen, ist im Alter zwischen 20-30 am produktivsten. Danach stelle sich ein eher routinierteres, erfahrungsbasiertes Denken ein. D.h. wir sprechen von einer Entwicklergemeinde im besten Alter. (FLOSS-Studie ermittelte ein Durchschnittsalter von 26, 75 % sind unter 30 Jahren. Wobei ich aber vermute, dass viele große Talente schnell von der Aussicht bei Google/Facebook/Apple/Amazon/Microsoft zu arbeiten angezogen werden und nicht lange bei der gemeinschaftsorientierten Open-Source bleiben. Das ist wie gesagt eine Vermutung.
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zephir
Anmeldungsdatum: 20. März 2006
Beiträge: 2770
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Ich habe mich damit noch nicht näher beschäftigt, würde aber spontan denken, das man diese Frage nicht ohne Betrachtung der Organistaionsform betrachten kann. Nur dadurch das der Code Open Source ist, sprudeln keine Inovationen, sondern wenn durch eine fruchtbare zusammenarbeit vieler Entwickeler. Das ist ja aber nicht automatisch gegeben. Kleinere Projekte sind oft ein oder zwei Mann Projekte (Beispiel Audioplayer), wo von der Community bestenfalls ein paar patches oder bug reports kommen. Ich sehe nicht warum diese inovativer sein sollten als vergleichbare closed Sorce Projekte. Interessant wäre daher der vergleich verschiedener Organisationsformen in der Software Entwicklung, und da dann solche, die einen Qulloffen Code vorausetzen. Gutes beispiel ist OpenOffice. Der Code ist schon ewig OpenSource, von Innovationen aber keine Spur, und die Entwicklung war jahrelang schleichend. Mit der Gründung von LibreOffice wurde die Organistationsform geändert und die Zusammenarbeit und der Einstieg in die Entwicklung deutlich erleichter und verbessert. Grundlegende Neuerungen sucht man immer noch vergebens, aber die Entwiclungsgeschwindigkeit wurde deutlich gesteigert. Die Lizenz ist dabei die gleiche geblieben. Man könnte auch Debian und Ubuntu vergleichen. Die Basis ist genau die gleiche. Aber einmal gibt es eine demokratische Entwicklung durch über tausend Entwickler, was zu einer sehr stabielen aber konservationen Distribution führt, und einmal ein stärker hierachisch und autoritär geführtes Entwicklungsmodell, das dafür deutlich schneller damit ist, neue Ideen auszuprobieren und umzusetzen.
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fruchttiger
(Themenstarter)
Anmeldungsdatum: 20. März 2012
Beiträge: 3
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Die Organisationsform ist ein interessanter Punkt, danke ! Ich notier mir mal :
Aus quelloffen folgt noch nicht innovativ. Voraussetzungen müssen geschaffen (z.B. die Organisationsstrukutur ) Ein zu demokratisches Entwicklungsmodell kann auch ein Hemmschuh sein, weil Entscheidungen langwierig sind und/oder verwässert ausfallen.
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zephir
Anmeldungsdatum: 20. März 2006
Beiträge: 2770
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fruchttiger schrieb: Die Organisationsform ist ein interessanter Punkt, danke ! Ich notier mir mal :
Aus quelloffen folgt noch nicht innovativ. Voraussetzungen müssen geschaffen (z.B. die Organisationsstrukutur ) Ein zu demokratisches Entwicklungsmodell kann auch ein Hemmschuh sein, weil Entscheidungen langwierig sind und/oder verwässert ausfallen.
Über denn letzten Punkt kann man sicher trefflich streiten, aber als Arbeithypothese taugt er auf jeden Fall.
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k1l
Anmeldungsdatum: 22. September 2006
Beiträge: 1253
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Wenn es nach der Mehrheit gehen würde, würden wir noch in Kellern vor riesigen Schränken und ohne Maus dasitzen ☺ Guck dir doch mal alleine das Theater um gnome2 an. Hätten da nicht kleine Gruppierungen ihre Entscheidungen durchgedrückt würde es keine neuen Bedienkonzepte basierend auf dem gnome3 Unterbau geben. Wie hiess es noch so schön: Listen to your Community, but dont let them tell you what to do.
http://www.codinghorror.com/blog/2012/02/listen-to-your-community-but-dont-let-them-tell-you-what-to-do.html
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kaputtnik
Anmeldungsdatum: 31. Dezember 2007
Beiträge: 9245
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Man könnte ja auch mal ein paar "alte" Software-Innovationen raus kramen und gucken wer die gemacht hat. Fensterbasierte Programmverwaltung (XEROX? Apple?) Wikis Ward_Cunningham 1995, als freier Programmierer(?) Widgets, Projekt_Athena "ein gemeinsames Projekt des MIT, der Digital Equipment Corporation und IBM." D-Bus, freedesktop.org
Das ist mir so auf die schnelle eingefallen. Welche Innovationen gab/gibt es noch? Und wer hat es erfunden?
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MichaelaK
Anmeldungsdatum: 25. Mai 2011
Beiträge: 617
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Hier im Forum hat doch mal jemand darauf aufmerksam gemacht, dass Apple "SPACES" als absolut cooles und innovatives feature einführte und "SPACES" dann nichts anderes waren als virtuelle Desktops, die man im GNU/Linux-Bereich bereits seit Jahrzehnten kannte und nutzte .... Dieses Thema ist Geld wert für die Proprietären und deshalb wird jede Aussage, der quelloffene Bereich sei innovativer mit teuren Gegengutachten, teurem Marketing bis hin zu bezahlten Bloggern bekämpft werden. Denn dass die "Großen" pausenlos abschreiben und es sich dann auch noch patentieren lassen (letztlich mit dem Geld ihrer Kunden), das darf nicht publik werden.
Gerade auch die Tatsache, dass - wie es oben richtig heißt - quelloffene Software vorwiegend von Studenten genutzt wird, legt nahe, dass hier strukturell Innovationsfreude herrscht. Meine Ahnung im wahrsten Sinne des Wortes, denn Zahlen habe ich nicht ...
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DasIch
Anmeldungsdatum: 2. November 2005
Beiträge: 1130
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Du wirst bei Anwendungen im Open Source Bereich wenig Innovation finden. Zwar gibt es mit Unity usw. bei GUI Entwicklung aber ich würde dies eher "anders" statt "innovativ" nennen. Innovation schafft Open Source vor allem im Bereich der Infrastruktur und dies indirekt wie direkt. Zum einen erlaubt es Open Source auf bestehendem Wissen aufzubauen und ermöglicht, dass nicht jeder das Rad neu-erfinden muss nur um es zu nutzen. Ein gutes Beispiel dafür wäre Android, welches auf Linux aufbaut oder Frameworks wie Ruby on Rails, Django und Bootstrap. Direkt hat man Innovation durch Open Source als Hobby, wer in seiner Freizeit zum Spass programmiert kann sich erlauben Projekte zu starten die ein sehr hohes Risiko haben zu scheitern, solche Projekte scheitern dann wahrscheinlich, sind aber möglicherweise auch erfolgreich und innovativer als dass was im kommerziellen Umfeld gemacht wird. Desweiteren sei angemerkt dass zumindest bei Software Projekten die meisten recht autoritär geführt werden und irgendeine Form von BDFL haben. Distributionen wie Debian und Ubuntu sind keine typischen Open Source Projekte.
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crazy-biscuit
Supporter
Anmeldungsdatum: 6. November 2010
Beiträge: 4847
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DasIch schrieb: Desweiteren sei angemerkt dass zumindest bei Software Projekten die meisten recht autoritär geführt werden und irgendeine Form von BDFL haben. Distributionen wie Debian und Ubuntu sind keine typischen Open Source Projekte.
Das ist eine Sinnfrage: Sind nur komplett freie Systeme OpenSource, sind nur Systeme, denen es nicht um kommerziellen Erfolg geht OpenSource?
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Das_Wort
Anmeldungsdatum: 23. Dezember 2009
Beiträge: 5269
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crazy-biscuit schrieb: DasIch schrieb: Desweiteren sei angemerkt dass zumindest bei Software Projekten die meisten recht autoritär geführt werden und irgendeine Form von BDFL haben. Distributionen wie Debian und Ubuntu sind keine typischen Open Source Projekte.
Das ist eine Sinnfrage: Sind nur komplett freie Systeme OpenSource, sind nur Systeme, denen es nicht um kommerziellen Erfolg geht OpenSource?
Ihr werft da ein paar Begriffe durcheinander. Ich fange lieber nicht mit OSS vs. FS bzw FOSS an 😉 (Netter Wikipedia-Artikel existiert und darf gesucht werden). Da es gerade in den Medien war…: RedHat veröffentlicht alle Programmen unter einer FOSS-Lizenz, also sind diese frei, egal in wie weit RedHat damit der "Kommerzialität" fröhnt.
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