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Menschen in Software schulen

Status: Ungelöst | Ubuntu-Version: Ubuntu 12.10 (Quantal Quetzal)
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Torri

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Anmeldungsdatum:
29. Mai 2008

Beiträge: 845

Liebe Leute,

ich schreibe momentan an einer wissenschaftlichen Arbeit in Kooperation mit einem großen deutschen Industriekonzern. Das Unternehmen hat eine Intranet-Software (als soziales Netzwerk vorstellbar) und eben auch das Problem, dass viele insbesondere alternde Mitarbeiter nicht so gut damit zurecht kommen - ich versuche, eine Idee zu generieren, das zu ändern und muss das dann wissenschaftlich begründen.

Jetzt wollte ich mich mal bei euch umhören: Habt ihr Tipps, wie man Menschen Software psychologisch nahe bringt? Und kennt ihr bestimmte Software-Lösungen, die man einsetzen könnte, um Software leicht verständlich näher zu bringen? Besonders Open-Source-Tools sind gern gesehen. Ziel ist, die Nutzung der Software zu erhöhen (messbar über Zugriffszahlen und -zeiten, Textbeiträge, Nachrichten etc.).

Ich halte die Frage erstmal allgemein und würde mich über Erfahrungen freuen - ich kann mir vorstellen, dass hier im Forum einige Leute sind, die auch schonmal vor so einer Frage standen und mich würde interessieren, was es so für Best-Practice-Beispiele gibt.

Viele Grüße Torri

Kätzchen

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Anmeldungsdatum:
1. Mai 2011

Beiträge: 7130

Hallo,

Torri schrieb:

Jetzt wollte ich mich mal bei euch umhören: Habt ihr Tipps, wie man Menschen Software psychologisch nahe bringt?

Sagt dir Digital skeuomorphs etwas?

Sehr interessant dazu: ▶ Desktopumgebungen für Linux - kein überzeugendes Design?

user_unknown

Avatar von user_unknown

Anmeldungsdatum:
10. August 2005

Beiträge: 17630

Torri schrieb:

Liebe Leute,

ich schreibe momentan an einer wissenschaftlichen Arbeit in Kooperation mit einem großen deutschen Industriekonzern. Das Unternehmen hat eine Intranet-Software (als soziales Netzwerk vorstellbar) und eben auch das Problem, dass viele insbesondere alternde Mitarbeiter nicht so gut damit zurecht kommen - ich versuche, eine Idee zu generieren, das zu ändern und muss das dann wissenschaftlich begründen.

Jetzt wollte ich mich mal bei euch umhören: Habt ihr Tipps, wie man Menschen Software psychologisch nahe bringt?

Tja, so wie man den Leuten Peitschen und Handschellen näherbringt.

Ich meine, entweder man setzt die Software ein, um die Arbeit leichter, schneller, die Ergbebnisse für die Mitarbeiter besser zu kontrollieren zu machen - dann sollten die Mitarbeiter ja froh über die Software sein, abgesehen davon, dass Rationalisierungseffekte ja meist auf die Beschäftigtenzahlen sich niederschlagen, und damit auf 's Gemüt der Betroffenen oder Bedrohten.

Ansonsten wäre den Mitarbeitern nur zu zeigen, dass diese Verbesserungen auch wirklich erzielbar sind.

Aber die Reihenfolge wäre dann, dass man erst einen Missstand erkennt, den man mit Software behebt, und dann diese einführt - nicht dass man erst die Software einführt, dann die Mitarbeiter überzeugt, dass die Software ein Problem löst, und am Schluß prüft, ob sie das überhaupt tut.

Wenn die Vorteile der Software offensichtlich und schwer zu bestreiten sind, und den Mitarbeitern auch bekannt gemacht worden sind, dann kann es dennoch viele Gründe des Widerstands geben. Neben dem drohenden Arbeitsplatzverlust wäre da typischerweise die Entwertung der Erfahrungen mit alten Vorgehensweisen, von denen alte Mitarbeiter stärker betroffen sind als junge, die zudem auch oft schneller neue Techniken lernen, und auch eine kürzere Zeit, in der sich das Lernen für Ältere amortisieren kann.

Solche psychologischen Hemmnisse zu erkennen und evtl. rücksichtsvoll zu thematisieren könnte ein Punkt sein - auf jeden Fall sollte versucht werden konkret zu ermitteln, was die Hemmnisse sind.

Möglicherweise resultiert auch Ablehnung aus der Form der Einführung neuer Technik ohne die MA vorher zu fragen.

Und kennt ihr bestimmte Software-Lösungen, die man einsetzen könnte, um Software leicht verständlich näher zu bringen? Besonders Open-Source-Tools sind gern gesehen. Ziel ist, die Nutzung der Software zu erhöhen (messbar über Zugriffszahlen und -zeiten, Textbeiträge, Nachrichten etc.).

Das klingt auch wieder wie das Pferd von hinten aufgezäumt. Niemand käme auf die Idee beim Autobau den Vorteil des Einsatzes von Kleber gegenüber Nieten, Schrauben und Schweißen in Liter Kleber zu messen.

Das klingt verdächtig nach Selbstzweck. Sonst würden sich ja echte Vorteile als Maßstab aufdrängen - Messung von Durchsatz/Produktivität/Ausschuß.

Ich würde versuchen Mitarbeiter zu finden, die Vorbehalte haben, und zwar ein paar exemplarisch aus unterschiedlichen Abteilungen und diese in qualitativen Gesprächen offen zu befragen, was sie an der Software gut und was sie schlecht finden.

Wenn Du genug Leute in Interviews befragt hast, was sie gut und schlecht finden - was 'genug' ist erfährst Du daran, dass sich die Antworten zu wiederholen beginnen, und kaum noch neue Aspekte genannt werden - dann gruppierst Du die Fragen und machst Fragebögen, die an viele/alle Mitarbeiter verteilt werden, um zu sehen, wie viele welches Problem sehen.

Und dann siehst Du, abhängig von den Ergebnissen, weiter.

Newubunti

Anmeldungsdatum:
16. Februar 2008

Beiträge: 5149

Torri schrieb:

Und kennt ihr bestimmte Software-Lösungen, die man einsetzen könnte, um Software leicht verständlich näher zu bringen?

Da lese ich irgendwie schon ein Problem heraus. Wie soll man Leuten, die gegenüber neuer Software Vorurteile oder Probleme mit deren Nutzung haben, mittels Software "überzeugen"? Insbesondere von Leuten, die sich gegen die Nutzung eine Software sperren, würde ich nicht erwarten, dass die sich durch eine Software zur Nutzung von Software überzeugen lassen.

Ich sehe es ähnlich wie user unknown. Irgendwie scheint mir hier mit der Intranet Software etwas schief zu laufen - wenn sie denn nicht (zu wenig) akzeptiert wird.

Erleichtert die Software Arbeit oder belegt sie den Mitarbeiter nur mit zusätzlicher Arbeit?

Wurden die Mitarbeiter in die Einführung der Software nicht einbezogen?

Wie wurde die Software denn eingeführt? Wie wurde darauf geschult?

Gruß, Martin

glasenisback

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Anmeldungsdatum:
20. November 2011

Beiträge: 1603

Wahrscheinlich wurde das Intranet in seinem Unternehmen so eingeführt, wie in so vielen Unternehmen:

Ein teurer externer Unternehmensberater wurde eingekauft um das Unternehmen zu modernisieren (Sprich dem neuesten Hype hinterherzurennen) und dieser hat die Einführung eines Intranets vorgeschlagen um Synergie und Konsolidierungseffekte (oder was auch immer. Sucht euch einfach ein Wort aus "Buzzword/Bullshit Bingo" raus und setzt es an Stelle der beiden Begriffe ein) besser zu nutzen.

Und wie es in so vielen Unternehmen ist, fiel die Chefetage auf die wichtig klingenden Wörter rein und es wurde ein Intranet "angeschafft". Das man dieses aber auch pflegen und mit Leben füllen muss, ist bei der Einführung komplett untergegangen. Am Ende sehen die meisten Intranets von Firmen wie folgt aus:

Eigentlich wichtige Dokumentation wird kaum bis gar nicht gepflegt. In der Regel ist es einfacher den passenden Kollegen anzurufen und ihn nach einem Ausdruck zu fragen, anstatt darauf zu warten, dass er oder seine Abteilung das Dokument in die Plattform eingepflegt. Das angeblich so tolle schwarze Brett, auf dem immer die neuesten Unternehmensnachrichten und auch andere Dinge (z.B. Kleinanzeigen von Mitarbeitern, usw.) gepinnt werden sollen, hinkt der aktuellen Nachrichtenlage immer 3-12 Monate hinterher bzw. die private Teil wird erst gar nicht benutzt.

Dazu kommt, dass das angeblich so offene und leicht zu benutzende Intranet so kompliziert zu bedienen ist bzw. man an allen möglichen Stellen einen anderen Account mit Passwort benötigt ("Sie haben keine rechte diese Dokumentation zu lesen!"), dass es am Ende länger dauert dort eine Information zu beschaffen ("Wie komme ich jetzt an die passenden Benutzerrechte?"), als zum Telefonhörer zu greifen und den Kollegen von der anderen Abteilung direkt nach der Information zu fragen (Auch wenn das am Ende 20 Anschlusstelefonate bedeuten sollte, um den wirklich richtigen Kollegen zu finden). Seltsamerweise gibt nämlich keinerlei Richtlinien, welche einem verbieten die Dokumentation als Ausdruck zu lesen. Den Ordner kann man ganz einfach aus dem Schrank holen. Nur das Netz ist komplett vernagelt.

Ich weiß, ich hab das alles ein wenig überspitzt und zynisch dargestellt, aber all das ist mir in sechs Monaten Praktikum in einem größeren deutschen Maschinenbauunternehmen schon mal begegnet. Das war zwar vor ca. sechs Jahren, aber in der einen oder anderen Form werden die geschilderten Beispiele auch heute noch aktuell sein.

Das Problem ist, dass ein Intranet einen wirklichen Vorteil gegenüber der alten Methode bieten muss. Dazu gehört weniger, anstatt mehr Bürokratie, eine gute Pflege und allem eine leichte Bedienbarkeit. Wenn z.B. die Suchfunktion des Intranets so schlecht, dass es im Endeffekt schneller geht den Inhaltsbaum von Hand durchzuschauen, dann kann ich mir die Suchfunktion auch sparen.

Das wichtigste was ein Intranet benötigt, ist, meiner Meinung nach, eine Art Redaktion. Es müssen einfach ein paar Leute vorhanden sein, die dafür sorgen, dass das Intranet immer auf dem neuesten Stand ist. Dazu gehört z.B. auch das Piesacken der diversen Abteilungen ihnen regelmäßig die neueste Dokumentation zukommen zu lassen, damit diese ins Intranet gestellt werden kann bzw. diese darauf hinzuweisen, dass sie es auch selbst machen können. Auch muss auf die Wünsche der Benutzer eingegangen werden, hinsichtlich der Bedienbarkeit und anderen Dingen.

Wenn die Benutzer merken, dass sie ernst genommen werden und das Intranet einen echten Mehrwert bietet, dann muss man auch keine große Überzeugungsarbeit leisten. Wird das Intranet aber einfach nur so "dahingerotzt" (Nach dem Motto: "Wir haben jetzt ein Intranet! Jetzt macht mal!"), dann wird es auch kein Mitarbeiter akzeptieren geschweige überhaupt benutzen.

Newubunti

Anmeldungsdatum:
16. Februar 2008

Beiträge: 5149

glasenisback schrieb:

Wahrscheinlich wurde das Intranet in seinem Unternehmen so eingeführt, wie in so vielen Unternehmen: ...

Ganz ehrlich:

Ich habe fast genau das gleiche gedacht, wollte es nur (noch) nicht schreiben, weil ja bisher noch nicht all zu viele Details vom TE genannt wurden.

Gruß, Martin

Das_Wort

Anmeldungsdatum:
23. Dezember 2009

Beiträge: 5269

Torri schrieb:

insbesondere alternde Mitarbeiter nicht so gut damit zurecht kommen

Also alle? 🤣

Das Problem ist folgendes: Wenn man die Software anpasst, können die Nutzer nur mit dieser umgehen. Das macht wenig Sinn, denn das bringt eine hohe Abhängigkeit mit sich. Es gibt zwar einen französischen Hersteller für Senioren Notebooks mit einer extra angepassten Oberfläche auf Linux Basis (http://pro-linux.de hat immer News dazu bei neuen Veröffentlichungen).

Nutzt man dazu Skeuomorphismen dann hat man das beschriebene Problem (siehe den von Kätzchen verlinkten Beitrag). Denn diese sind nur begrenzt anwendbar bzw. ist von Grad der Ähnlichkeit zum analogen Objekt abhängig. Und das fängt bereits bei einfachen Dingen an. Hat man einen langen Text zu lesen der nicht auf eine Blatt passt nutzt man mehrere Blätter. Diese muss man dann umdrehen um sie zu lesen. Bei Monitoren ist das anders. Die kann man nicht umdrehen bzw. bringt es nichts. Man schreibt auch nicht auf mehrere. Man hat ein Sichtfeld das physikalisch begrenzt ist. Der Inhalt befindet sich in einem virtuellen Raum, das heißt er ist vorhanden wenn er nicht zu sehen ist. Hört sich für die techniknahe Bevölkerung komisch an. Aber beobachtet man technikferne Personen merkt man wie wichtig es ist dass man dieses Konzept des virtuellen Raums versteht.

Beispiel (aus der Realität): Ein Fenster ist groß, zu groß. Es ist zu groß um vollständig im physikalischen Blickfeld angezeigt zu werden. Also befindet sich ein Teil "außerhalb" des Bildschirms. Nun soll das Fenster geschlossen werden.

Die Lösung ist einfach. Man schiebt das Fenster ein Stück und schon sind die Fensterknöpfe schon im Sichtfeld. Naja nicht ganz. In der Situation befand sich ein technikferner Mensch an dem Gerät (Präsentationssituation). Dieser äußerte dann die Knöpfe seinen "verschwunden". Würde man mich fragen würde ich sagen, sie sind noch da, aber nicht zu sehen.

Das Programm wurde dann doch geschlossen (Datei → Beenden).

Mit diesem Beispiel möchte ich zeigen wie wichtig es ist die Konzepte zu verstehen. Allein durch die Gegenüberstellung der Sätze

Es ist verschwunden.

und

Es ist da, aber nicht zu sehen.

wird meiner Meinung nach klar das diese Person das Konzept dahinter nicht verstanden hat.

Es ist viel wichtiger die Konzepte zu verstehen als irgendwelche Software dazu zu nutzen. Denn "digitale Logik" unterscheidet sich stark von der physikalischen Logik die wir im Alltag erleben.

Mein Tipp: Konzepte vermitteln.

Eine kleine Aufgabe an alle die mitlesen:

Tabs, sind auch ein Skeuomorphismus. Aber welchem Objekt entsprechen sie in der "Wirklichkeit"?

Viele Grüße

Das Wort

PS: Entschuldigt die komischen Formulierungen, aber es ist spät und ich habe keine Lust das besser zu formulieren. Wenn es sich also um ein Wort in nicht deutschen Anführungszeichen handelt ("") dann meine ich damit: Das Wort ist nicht genau so gemeint wie es geschrieben steht. Wenn es deutsche Anführungszeichen sind („“), dann gilt das was ihr diesbzgl. in der Schule gelernt habet ☺

PPS: Ich werde verlinkt (ʘ‿ʘ). Danke Kätzchen.

PPPS: Vielleicht ist meine Herangehensweise in diesen Fall nicht praktikabel. Aber meine Lösungen funktionieren nur für Probleme mit denen ich zu tun habe. In wie weit man so etwas in einem Unternehmen mach… pfft?!

PPPPS: Will man Software verbessern, dann ist es am besten Nutzern bei der Benutzung zuzusehen. (Klingt einfach ist es auch. Wer ein Buzzword braucht: Usability-Test ☺ ) Mit klaren Worten: Zuschauen bringt mehr als zu fragen.

PPPPS: Hoffe mein Beitrag ist nicht zu theoretisch.

PPPPPS: Ich freue mich auf Details!

sitronen-

Avatar von sitronen-

Anmeldungsdatum:
17. August 2012

Beiträge: 651

Torri schrieb:

ich schreibe momentan an einer wissenschaftlichen Arbeit in Kooperation mit einem großen deutschen Industriekonzern. Das Unternehmen hat eine Intranet-Software (als soziales Netzwerk vorstellbar) und eben auch das Problem, dass viele insbesondere alternde Mitarbeiter nicht so gut damit zurecht kommen - ich versuche, eine Idee zu generieren, das zu ändern und muss das dann wissenschaftlich begründen.

Wie wurde das festgestellt? Gibt es dazu bereits Evaluationen? Was sagen die Mitarbeiter (->Umfrage)? Ansonsten agiert man etwas mit der Glaskugel, was die Ursachen und die Lösungen angeht.
Ansonsten muss ich Glasenisback zustimmen: jede Form eines Intranet braucht eine Zuständigkeit, Menschen, die es pflegen (ähnlich unserem Wiki-Team). Es ist eben kein soziales Netzwerk. Soll es nicht sein und wird es auch nie.
Zudem sollte es ein Regelwerk geben, dass die Nutzung des Intranets für bestimmte Dinge vorschreibt, etwa zur Veröffentlichung von Dokumenten. OSnst fehlen die Inhalte und der damit der Mehrwert gegenüber der Telefonleitung.

diesch Team-Icon

Avatar von diesch

Anmeldungsdatum:
18. Februar 2009

Beiträge: 5072

Torri schrieb:

Ich halte die Frage erstmal allgemein und würde mich über Erfahrungen freuen - ich kann mir vorstellen, dass hier im Forum einige Leute sind, die auch schonmal vor so einer Frage standen und mich würde interessieren, was es so für Best-Practice-Beispiele gibt.

  • Soll-Zustand beschreiben

  • Ist-Zustand evaluieren (Umfrage o.ä.)

  • Geeignete Maßnahmen ergreifen

  • Ist-Zustand evaluieren (Umfrage o.ä.)

  • Veränderungen beschreiben, ggf. Differenzen zum Soll-Zustand erklären, weitere Maßnahmen vorschlagen

Renate55

Avatar von Renate55

Anmeldungsdatum:
13. Januar 2009

Beiträge: 716

da wird es keine allgemeingültige Vorgehensweise geben. Junge qualifizierte Mitarbeiter oder auch ältere Mitarbeiter mit hohem Ansehen und Beliebtheit, die auch wieder einen anderen Job finden werden eher eine ehrliche Meinung äußern. Da geht eine offene Diskussion über Vorteile und Nachteile der neuen Intranet-Software und wie diese Umstellung möglichst reibungslos zu bewerkstelligen ist. Oder ob es sinnvoller ist, das Gesamtkonzept noch einmal zu überarbeiten um nicht jedem Hype im Dauerlauf hinterherzurennen.
Ältere Mitarbeiter, die sich teilweise mit Neuerungen schwer tun, leistungsschwächere und weniger qualifizierte Mitarbeiter, Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen sind oft eingeschüchtert. D.h. sie werden in einer Informationsveranstaltung mit Chef, allen Kollegen erstmal kaum erreicht, egal wie großartig die Konzepte erklärt werden. Es geht für diese Mitarbeiter weniger um ein abstraktes Verständnis sondern darum mit der neuen Software ein sich stetig steigerndes Leistungssoll zu schaffen. Angst vor Arbeitsplatz-Verlust, Änderungskündigungen, Versetzungen usw. stehen da im Vordergrund. Wenn die Leute aus Angst vor Nachteilen in einem Betriebsklima der Angst die Klappe halten ist es schwer, einen systematischen Plan mit noch so schönen Konzepten zu erarbeiten. Es würde eher abgenickt und dann je nach Möglichkeiten versucht zu boykottieren, bis der Administrator im Quadrat springt.
Die erste Voraussetzung ist, daß die Mitarbeiter in so einer Veranstaltung überhaupt erreicht werden.

kaputtnik

Anmeldungsdatum:
31. Dezember 2007

Beiträge: 9245

Bei vielen nicht-jüngeren Menschen spielen sicherlich auch solche Faktoren eine Rolle:

  • Angst etwas falsch zu machen/nicht mit dem Neuen zurecht zu kommen. Ein Resultat aus dem was Das Wort schrieb.

  • Sinnfrage: „Ging bis jetzt doch auch ohne dieses Intradingbsbums. Warum braucht es das?"

glasenisback schrieb:

Das Problem ist, dass ein Intranet einen wirklichen Vorteil gegenüber der alten Methode bieten muss. Dazu gehört weniger, anstatt mehr Bürokratie, eine gute Pflege und allem eine leichte Bedienbarkeit.

Und diesen Vorteil, so es ihn denn gibt, gilt es zu vermitteln. Vorteil meint hierbei nicht nur Vorteil für die Geschäftsleitung, sondern auch Vorteil für den Angestellten.

Das wichtigste was ein Intranet benötigt, ist, meiner Meinung nach, eine Art Redaktion.

Was ein Kostenfaktor ist.

Ich frage mich manchmal, ob solche Lösungen sich überhaupt tragen. Aber das ist ein anderes Thema.

glasenisback

Avatar von glasenisback

Anmeldungsdatum:
20. November 2011

Beiträge: 1603

kaputtnik schrieb:

Vorteil meint hierbei nicht nur Vorteil für die Geschäftsleitung, sondern auch Vorteil für den Angestellten.

Das meinte ich ja. An meinem Fallbeispiel mit dem Maschinenbauunternehmen, sollte das Intranet die gesamte Dokumentation des Unternehmens einfach und schnell verfügbar machen. Die gedruckte Dokumentation sollte nur noch als Backup dienen, aber nicht mehr zur alltäglichen Arbeit herangezogen werden müssen. Leider funktionierte das aus den oben genannten Gründen damals überhaupt nicht.

Was ein Kostenfaktor ist.

Den muss man halt einkalkulieren. So eine Redaktion wäre ja nicht für immer vorhanden, sondern hauptsächlich für die Übergangsphase notwendig. Wenn die Mitarbeiter dann erst einmal daran gewöhnt sind ihre Dokumentation im Intranet selbstständig zu pflegen (Was ja keinen zusätzlichen Aufwand bedeutet, da diese heute eh am Computer verfasst wird), kann man auch die Aufgaben der Redaktion bzw. deren Anzahl zurückfahren.

Ich frage mich manchmal, ob solche Lösungen sich überhaupt tragen. Aber das ist ein anderes Thema.

Sicher warum nicht. Wenn sie denn gut gepflegt werden.

Torri

(Themenstarter)
Avatar von Torri

Anmeldungsdatum:
29. Mai 2008

Beiträge: 845

Liebe Leute,

vielen Dank schonmal für die guten Beiträge. Besonders die erste Idee mit dem Skeumorphismus hat mir sehr gefallen - wieder ein neues Wort gelernt 😉

Die Diskussion entwickelt sich ein wenig in die falsche Richtung, fürchte ich, deswegen erlaubt mir bitte nochmal, einiges zu präzisieren. Dieses Intranet ist im Grunde ein Informationsnetzwerk gekoppelt mit Social-Network-Funktionen. Es geht also um den Wissensaustausch im Unternehmen, gleichzeitig soll auch das Zusammenarbeiten über Ländergrenzen hinweg etc. gefördert werden.

Mir ist klar, dass die systematische Herangehensweise einer gezielten Mitarbeiterbefragung hierbei die beste ist. Das werden wir dem Unternehmen auf jeden Fall vorschlagen, wir können das im Rahmen unseres begrenzten Projektes nicht selbst leisten (es handelt sich hierbei "nur" um ein Unterthema einer größeren Arbeit).

Glaubt mir einfach mal so viel: Das Intranet im Unternehmen ist nicht von außen aufgedrückt worden, sondern hat sich dort so entwickelt, weil es Arbeitsprozesse erleichtert. Das tut es wirklich, vieles würde im Unternehmen nicht passieren, gäbe es dieses Intranet nicht (glaubt es mir - falls nicht: Nehmen wir es mal als Arbeitshypothese an). Das Problem liegt eher wie bei jedem zweiten Computersystem: Es mag noch so gut an Funktionen sein, die Usability ist eher mager. Es ist halt funktionell.

Zu dem System selbst könnt ihr natürlich nichts sagen, braucht ihr auch nicht. Es ergeben sich aber zwei allgemeinere Grundfragen: - Wir nehmen an, das System lässt sich nicht verändern. Trotzdem ist es sehr vorteilhaft. Wie überzeuge ich Menschen von den Vorteilen? - Wenn man das System einsteigerfreundlicher machen könnte, wie macht man das? Es gibt doch sicher allgemeine Prinzipien in der IT-Welt, wie Software anwenderfreundlich ist.

Man kann das Problem ja auch aus einer anderen Perspektive betrachten. Eine Bekannte der Familie (60) ist sehr zögerlich, was neue Funktionen, neue Software etc. am Computer angeht (halt kein Digital Native). Nehmen wir zum Beispiel die Einführung von Unity statt dem klassischen Gnome vor zwei Jahren. Wie erkläre ich ihr, dass sie jetzt das nutzen soll, weil es besser ist (Diskussionen über die wahre Qualität von Unity bitte nicht hierher). Umstellungen gehören ja nunmal zum Leben dazu. Klar, mit einer einzelnen Bekannten kann ich mich einzeln zusammen setzen und ihr das erklären, bei tausenden von Mitarbeitern kann ich das nicht. Aber ich denke, die Probleme sind annähernd vergleichbar.

Spannend wäre es also jetzt, nicht zu diskutieren, was in Unternehmen bei der Einführung von neuer Software schief läuft und welche Fehler Unternehmen so machen, das haben wir hier wahrscheinlich alle schonmal durchexerziert. Angeblich sollen ja 70 bis 90 Prozent aller IT-Umstellungen nicht so funktionieren wie geplant. Ich finde es interessanter, mal zu schauen: Wo wurde etwas richtig gemacht, so selten es auch sein mag? Welche guten Erfahrungen habt ihr diesbezüglich schon gemacht?

user_unknown

Avatar von user_unknown

Anmeldungsdatum:
10. August 2005

Beiträge: 17630

Meine letzte, große Überzeugung wurde durch ein Videotutorial bereitet, welches einige neue, anfangs kompliziert wirkende Verfahren leicht demonstrierte, so dass ich neugierig wurde, und es ausprobieren wollte.

Videos vermitteln vielleicht weil sie keine übliche Lern- sondern eine gängige Unterhaltungserfahrung sind eher, dass eine Sache leicht und spaßig ist, nicht anstrengend und mühsam.

Kätzchen

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Anmeldungsdatum:
1. Mai 2011

Beiträge: 7130

Hallo,

Torri schrieb:

Und kennt ihr bestimmte Software-Lösungen, die man einsetzen könnte, um Software leicht verständlich näher zu bringen?

Ein einführendes interaktives Tutorial das dem Nutzer die Software näher bringt.

  1. Ein qualifizierter Sprecher kommentiert (muss nicht sein.. aber vermittelt das Gefühl eines Ansprechpartners)

  2. Der Nutzer wird animiert neue Funktionen kennen zulernen. Auch solche die erst kürzlich dazu kamen.

  3. Das Tutorial geht Nahtlos in den normalen Betrieb über, der Nutzer merkt nicht das er bereits selbstständig Arbeitet.

Ich finde es interessanter, mal zu schauen: Wo wurde etwas richtig gemacht, so selten es auch sein mag? Welche guten Erfahrungen habt ihr diesbezüglich schon gemacht?

Wie war das mit Mac OS 9 –> Mac OS X und den Änderungen?

user unknown schrieb:

Meine letzte, große Überzeugung wurde durch ein Videotutorial bereitet, welches einige neue, anfangs kompliziert wirkende Verfahren leicht demonstrierte, so dass ich neugierig wurde, und es ausprobieren wollte.

Dann war es ein gut gemachtes Video und nicht eines dieser Youtube Hirni-Tutorials wo die entsprechende Software erst "ergooglet", Downgeloaded, installiert.. 🙄

Das Wort schrieb:

PPS: Ich werde verlinkt (ʘ‿ʘ). Danke Kätzchen.

Danke für den Text, ich kannte Skeuomorphismen vorher noch nicht.

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