Die spannende Frage ist doch, warum Google so etwas tun sollte. Nein wirklich, warum?
Wenn man im Internet unterwegs ist, dann hat jeder Anschluss eine IP-Adresse – komplett den Exkurs Richtung Netzwerktechnik spare ich mir hier mal – die Dinger sind eine gute Sache, ohne würde das Internet auch gar nicht funktionieren. Jeder hat sowas, damit lässt sich im Internet auch jeder Anschluss identifizieren. Da die IP-Adresse aber nur eine Nummer ist, ist das auch einigermaßen anonym.
Wenn dir das schon Angst macht, dann wirf den PC weg, reiß die Telefonkabel raus und ziehe in ein kleines Haus mit Blick auf den Mariannengraben (James Cameron kann dir vermutlich helfen dorthin zu kommen).
Man könnte über diese IP-Adresse sogar herausfinden, wem der Anschluss gehört, dazu muss man sich lediglich an den Internet Service Provider wenden (z.B. Telekom, O² und wie sie alle heißen) allerdings benötigt man einen Gerichtsbeschluss, sonst rücken die ihre Kundendaten nicht raus.
Ein Webserver kann diese IP-Adressen theoretisch speichern und wieder erkennen – „hey, die Nummer kenn’ ich, der war gestern schon mal hier“ Naja, so läuft das nunmal, einen wirklichen Sinn hätte diese Auswertung aber nicht, wozu auch, IP Adressen können sich ändern.
Man kann den Besuchern einer Webseite auch ein Cookie verpassen, damit kann die Webseite Benutzer auch erkennen, wenn plötzlich eine andere IP-Adresse haben. Das wird meistens verwendet, um dem Nutzer bestimmte Dienste komfortabler anzubieten. Zum Beispiel, damit man sich nicht immer wieder auf ubuntuusers.de einloggen muss, gibt es einen kleinen Haken „eingeloggt bleiben” – dann wird ein Cookie gesetzt, beim nächsten Besuch bist du wieder angemeldet. Cookies an sich sind auch eher harmlos.
Ok, zugegeben, Cookies können missbraucht werden, um Nutzer zu „tracken“, also über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Das wird manchmal von Werbedienstleister im Internet so gemacht. Google hat zum Beispiel adsense, adwords usw. Aber es gibt auch andere Anbieter.
So, und nun wird es zum ersten Mal so richtig spannend. Jedes Mal, wenn du auf einer Webseite einen Werbebanner siehst, dann kommt dieser Werbebanner (vermutlich) nicht von der Webseite, sondern von einem externen Werbedienstleister. Dein Webbrowser stellt also eine Verbindung zum Werbeserver her und bekommt dort das Werbebanner ausgehändigt. Dieser Werbeserver kann dir dabei auch ein Cookie mitgeben. Auf der nächsten Webseite ist ebenfalls Werbung vom selben Werbedienstleister, dein Browser kontaktiert also wieder den Werbeserver und – ach das Cookie kenn’ ich doch!
Das funktioniert theoretisch nicht nur mit Werbung, Zahlreiche Anbieter bieten den Betreibern von Webseiten auch Analyse-Werkzeuge an, mit denen die Betreiber mehr über ihre Besucher ihrer Webseite erfahren können. Woher sie kommen (IP-Adresse lässt Rückschlüsse auf das Herkunftsland zu), welche Sprachen sie sprechen (dein Browser teilt dem Webserver mit „ich hätte gerne die deutschsprachige Version, falls vorhanden“), welche Artikel aufgerufen werden, wie lange die Kunden bleiben usw usf. Alles anhand deiner IP-Adresse und eines Cookies, also anonym. Wieder andere Möglichkeiten sind die Buttons von sozialen Netzwerken.
Größtenteils kommen diese Funktionen dir zu gute, weil dadurch das Angebot der Webseite finanziert und verbessert werden kann oder dir direkt Zusatzfunktionen zur Verfügung stehen.
Natürlich kann das auch missbraucht werden. Es ist richtig hier Datenschutzbedenken zu haben, ich denke dass man durchaus skeptisch sein sollte.
So, und nun kommen wir nochmal zur Frage am Anfang meines Beitrages zurück. Google betreibt eines der (wenn nicht sogar das) größten Werbenetzwerke, ist darüber hinaus über zahlreiche andere Produkte (Analytics, Webfonts) auf fast jeder Webseite irgendwie vertreten … all das funktioniert unabhängig vom verwendeten Webbrowser.
Wenn Google dich ausspionieren wollte, warum in aller Welt sollten sie zu diesem Zweck einen Browser herausgeben?
Glücklicherweise bieten alle Browser (auch Chrome/Chromium) Einstellungen, um die Cookies zu kontrollieren – ich verwende zum Beispiel eine Whitelist für Cookies die ich behalten möchte, alle anderen werden automatisch gelöscht wenn ich den Browser schließe. Aber ich habe auch nicht wirklich zu viel Angst ausspioniert zu werden. Jedenfalls von Google, warum? Google lebt von Werbung, Google hat ein interesse daran, dass wir uns im Internet wohl fühlen und dort möglichst viel Zeit verbringen – um so mehr Werbung werden wir sehen. Sie haben gar nicht vor jeden einzelnen zu überwachen oder am Ende sogar Kundendaten zu verkaufen, sie wollen die Menschen (insgesamt) verstehen um das Netz für alle besser zu machen. Und solange du Google nicht mit persönlichen Daten fütterst, bist du für sie nur eine IP-Adresse und ein Cookie, eine Nummer ohne Gesicht.
~jug