Es soll Leute geben, die trinken nachts um eins noch 3 doppelte Espresso (Espressi?) - natürlich nur, weil die Maschine, so eine Kühlturmförmige Alukanne mit Innensieb und Druckventil aus Alu bei voller Kapazität am besten arbeitet, und wundern sich dann, daß sie um 4:00, nachdem sie eigentlich nur noch kurz routinemäßig bei groklaw vorbeischauen wollten http://www.groklaw.net/article.php?story=20070810165237718 und dann doch ein, zwei Stunden hängen blieben, nicht einschlafen können, und schieben es auf die verbliebenen Unentwegten, die dann immer noch Musik machen.
Eine Seite mit Photos, die meine Lichtbehauptung stützt habe ich gefunden: https://www.tntler.de/~shutterbug/camp07/
Vom Blasendruck getrieben mußte ich - es war schon hell - aufstehen, und tastete halbwegs müde und erfolglos nach meiner Brille. Ich wußte noch, ich habe sie nicht hinter meinen Kopf wie sonsst, sondern anderswo abgelegt - aber verdammt wo?
Nun - das Klo werde ich schließlich auch ohne Brille finden - dort findet sich mit Sicherheit eine, und ein Blick auf die Uhr verriet mir, es ist schon 11:00 - vielleicht aber auch 5 vor 12.
Ich bewege mich also zum kürzlich erst gefundenen nahegelegenen Dixie - zuvor bin ich immer 30 s. geradelt - und wundere mich etwas, das es noch so still ist im Camp. Die haben doch nicht alle einen Kater oder sind bei "breaking Wep in less than 60 s". https://events.ccc.de/camp/2007/Fahrplan/events/1943.en.html
Ich will da letztlich auch hin, aber ohne Mokka - surprise, surprise - geht natürlich nichts.
Letztlich findet sich auch die Brille, und Kaffee schlürfend döse ich Hangar Bar entgegen. Das Tor ist zugezogen.
Zugezogen?
Wieso - wzT!
Zeigt sich, die Batterie meiner Uhr ist leer - wie ich mit Brille nun klar erkenne: seit 23:00 Uhr, und nicht seit 5 vor 12, und in Wahrheit ist es 7:45 Uhr.
Super - und ich könnte also noch 3 Stunden pennen, hätte ich nicht schon wieder Coffein getankt.
Ich geselle mich zum Holländer, der mir die Zeit genannt hat, man plaudert und raucht eine Zigarette. Dann wieder zurück ins Zelt - versuchen kann man es ja.
Diesmal schlafe ich gut, und bis 12:00.
Wepcracking vorbei, aber so ein Popthema findet man ohnehin alle Nase lang beschrieben, und kann auch die Videos sicher später abrufen.
Ich teste den Pastastand, dann habe ich die meisten kulinarischen Angebote durch. 4 € für ein Schüsselchen Nudeln ist nicht ganz günstig - Pesto und Parmesan hin oder her. Aber etwas Abwechslung muß sein.
Dann kündet der Crash-Kurs Mathe für Gnu-PG https://events.ccc.de/camp/2007/Fahrplan/events/1964.en.html von trockener Materie.
Überrascht mich, daß die Halle ziemlich voll ist.
Zu Anfang.
Ganze Zahlen, Positive ganze Zahlen, Primzahlen, Dividierbarkeit, Modulo - noch komme ich mit.
Sets, Ordnungszahl eines Sets, Gesetze im Set, Phi, Ring, Feld, – für sich ist jeder Schritt leicht, aber was dieses Z8* jetzt noch mal bedeutet - das für die nächsten 3 Schritte im Kopf zu behalten, ist ziemlich anstrengend.
Da bricht ein Platzregen los, und immer mehr Leuten fällt ein, daß ihr Zelt unter Wasser stehen könnte, und die Halle leert und leert sich.
Also mein Zelt ist halbwegs zu, und wenn nicht, dann ist es jetzt sowieso zu spät.
Mh - mh - der Laptop ist in der Tasche, und die Tasche im Zelt - eigentlich kann da nichts schief gehen.
Tapfer harre ich aus, obwohl ich den Faden doch ziemlich verloren habe.
Der Schauer und der Vortrag sind vorbei, und draußen befinden sich Teile des Lagers in Panik.
Hier und da wird mit Spaten an einer Art Flußkontrolle gearbeitet (XON/XOFF - CTS/RTS?). Manche bauen auch die Zelte ab oder evakuieren den Content.
So wie es aussieht steht mein Zelt noch, aber die Nachbarn sind auch ganz schön busy.
So schlimm kann es aber nicht sein, denn man will mir gleich die Bilder des Desasters zeigen - ein weiterer Beweis der Harmlosigkeit.
Wenn mein Heim weggespült wird habe ich doch besseres zu tun als Fotos zu schießen!
Die Vorhaut meines Zeltes hatte ich offengelassen - die haben sie zugezogen, aber auch erst, als der Regen fast vorbei war.
Dennoch ist es im Inneren pfurztrocken.
Eine andere Nachbarsiedlung kapituliert und packt - das ist aber mehr die Ausnahme.
Lightening Talks locken laut gedrucktem Programm - der online-Version hätte ich entnehmen können, daß "Swedish analysis of Nazi crypto TTYs" da reingerutscht ist. https://events.ccc.de/camp/2007/Fahrplan/events/2073.en.html
Dem folgt "Hardware Hacking for Software Geeks" - damit habe ich am Rande beruflich zu tun: Löten, Minicontroller, PWM, GPIO, AD/AC und pipapo.
Irgendwie muß ich an "Hör mal wer da hämmert" denken, und müde bin ich wie Sau. Mehrfach nicke ich weg - aber das ist nicht die Schuld der zwei Vortänzer auf dem Podium.
Bis 20:00 Uhr könnte ich pennen, und von der Möglichkeit mache ich Gebrauch.
Zwischenzeitlich gibt es noch eine kleine Inszenierung zum heute in Kraft tretenden Hackerparagraphen 202c - da fällt mir ein, daß ich vor ein paar Tagen den falschen Eindruck erweckt habe, er sei schon in Kraft, allerdings in einem humoristischen Nebensatz. Mea culpa - Heute, also Samstag - trat er in Kraft.
Stimmungsmäßig ist das Camp für mich schon am ausklingen.
Die Hybris war vielleicht der Regen - nicht für mich, aber für viele.
Das SCO-Urteil hat den Vortragsmäßig starken Tag 3 sinnvoll abgerundet.
Und heute scheint mir kein Thema mehr so richtig packend.
Sonntag gibt es dann nur noch Rauswurfevents - gleich 2 Stück, für die, die es beim ersten Mal noch nicht mitkriegen.
Das Team holt sich seinen verdienten Applaus ab, und nennt Zahlen, wobei Zahlen ja meist angenehme Zeitgenossen sind.
Gut - große Zahlen wie 33411904039 können ganz schön anstrengend sein, aber die gut teilbare Zahl 12, oder die angenehm gerundete 8 - die muß man doch wirklich gern haben.
Ich schweife ab.
Nach dem Mittagsschlaf lande ich mehr ungezielt im laufenden Beitrag "Rebellious Communication and the Federal Flood" https://events.ccc.de/camp/2007/Fahrplan/events/2010.en.html um dann den nächsten Beitrag wieder zu opfern - Essen und Internet stehen wieder an.
Aber " Tits & Bits/ pr0n 2.0" kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Bits und 2.0 sind doch einfach fesselnde Themen. https://events.ccc.de/camp/2007/Fahrplan/events/2041.en.html
Wäre es um Bücher gegangen, der Inhalt des Vortrags hätte fast identisch sein können - von 2, 3 Späßchen und Lachern im Publikum abgesehen, insbesondere die fliegenden Gummititten hätten natürlich substituiert gehört.
Im Gegensatz dazu dann der von-Neumann-Beitrag - ein kultureller solcher, der sehr gediegen und ernsthaft einen der Väter des Rechners würdigt, und dessen Beitrag zur Atombombe nicht ausklammert. https://events.ccc.de/camp/2007/Fahrplan/events/2001.en.html
Eigentlich ist das die würdige Abschlußszene, und ein Mollakkord, den man am nächsten Morgen dann noch mal dramaturgisch geschickt ins nett-leichte Dur wendet.
Mein Vorabresumee:
Als Event für Computerjunkies voll zu empfehlen.
Die dem Campingcharakter geschuldeten Schwächen: sanitäre Versorgung und eingeschränkt empfehlenswerte Verpflegung - damit muß man leben - man ist halt nicht zu Hause, und 5 Tage kann man damit leben, auch wenn ich mich auf ein richtiges Zimmer, eine erstklassige Dusche, ein nicht stinkendes Klo und v.a. die häusliche Küche freue.
Wer kann, der sollte ein Rad mitbringen - die teils weiten Entfernungen werden damit zum Klacks, und man ist sehr beweglich. Das Rad habe ich kein einziges Mal abgeschlossen.
Auch den Laptop kann man überall stehen lassen.
Selbst wenn ein Laptop geklaut werden würde hätte man große Chancen, daß es ein anderes der rd. 2000 Geräte ist.
Im Supermarkt gab es zum Frühlingsbeginn grüne Gärtnerklammern, mit denen man Rankgewächsen eine Entwicklungsrichtung aufzwingen kann.
Die haben sich auch als sehr praktisch erwiesen, um Kabel temporär zu befestigen, den Müllbeutel aufzuhängen, und die Tüte mit Kaffee zu verschließen, der nicht mehr in die Eisdose paßte.
Wer gerne gut ißt braucht ein Auto, um den Grill zu transportieren - dann kann man auch ein großes Zelt und Klappstühle mitbringen - das nervt etwas, wenn man am eigenen Zelt immer rumstehen muß, weil der Boden taufeucht ist, und einem im Schneidersitz immer die Füße einschlafen.
Wer sich für die Vorträge nicht interessiert, und nicht für's Löten oder Modellbau, für den ist es wohl ein eher teures Vergnügen.
Aber eines muß man mit Sicherheit nicht sein: Ein waschechter oder auch nur verkappter Hacker.
Ich dachte, das Camp fände jährlich statt - dem ist nicht so.
Vom CCC geht es alle 4 Jahre aus, aber dazwischen veranstaltet eine holländische Organisation ähnlicher Prägung mit 2 Jahren Abstand ihr Camp.
Ich glaube vielen geht es hier auch nur um das Partyerleben.
Gerade meine Nachbarn rechts waren eigentlich immer wenn ich vorbeikam im verschlossenen Zelt, oder beim Essen.
Vielleicht auch bei der Musik - wenn man das Musik nennen will.
Hertha BSC hat verloren - das geht ja gut los - gehört kaum hierhin, außer um Fuballfans darauf aufmerksam zu machen, daß die Jahre, die WM/EM-Löcher haben dann offenbar zur Entschädigung Camps bieten - oder umgekehrt.
Vieles habe ich sicher übersehen, und was ich nicht übersehen habe, daß habe ich verzerrt, übertrieben oder falsch dargestellt.
Alle Personen sind frei erfunden - Finowfurt gibt es nicht, und in Wirklichkeit heiße ich Pamela Jones.
So long, gute Nacht, und mal sehen was Hal Faber zu fabulieren hat.